Kritische Auseinandersetzung mit dem Shareholder Value Ansatz nach Milton Friedman

Ökonomisches Ungleichgewicht

Drei grundlegende Probleme sollen kurz beleuchtet werden:

  • Finanzkrise und Shareholder-Value-Ansatz nach Friedman
  • Zinssystem
  • Gendefekt des Geldes

Beginnen wir mit der Finanzkrise und in diesem Zusammenhang mit dem Shareholder Value Ansatz

Dass die Finanzkrise keine gekapselte, isolierte Krise, sondern eine Systemkrise ist, wurde bereits von den verschiedensten Seiten gesagt. Prof. Berger vom Institut für Personal- und Unternehmensentwicklung Karlsruhe (http://www.business-reframing.de/www/cms/single_de_1) vergleicht die Finanzkrise mit einem sich drehenden Kettenkarussell, bei dem alle Beteiligten sich auf dem Karussell befinden und deswegen niemand mehr in der Lage ist, das Karussell abzustellen.

Ausgangsbasis der Krise waren nach Prof. Berger unter anderem zwei maßgebliche Punkte: zum einen die hohen Renditeerwartungen der Banken (bzw. dessen Shareholder), zum anderen die mangelnde Personalstruktur, um ein sinnvolles Rating der Wertpapiere durchzuführen. Dieses fehlende Personal ist übrigens ebenfalls dem Shareholder Value geopfert worden. Durch Milton Friedman kam der Leitgedanke des Shareholder-Value-Ansatzes in die Welt: er postulierte, dass das soziale Optimum nur durch maximalen Gewinn herbeigeführt werden kann. Friedman war so erfolgreich mit dem Gedanken, dass praktisch alle Regierungen von Friedman-Schülern beraten werden, (fast) alle Uni-Professoren (weltweit) letztlich Friedman-Schüler sind. Dadurch ist der Ansatz des Shareholder Values in aller Munde und in allen (großen) Unternehmen angekommen. Familiengeführte Mittelständler seien hier ausgenommen.

Was aber ist nun das Problem des Shareholder Value-Ansatzes? – Generell zwei Punkte sind zu nennen: zum einen hat sich Friedman in seiner Theorie einfach geirrt. Zu Beginn seines mathematischen Designs von freien Finanzmärkten unterlief ihm ein Ableitungsfehler, den zum Beispiel Nobelpreisträger George J. Stiglitz bestätigt hat. Dieser wurde nie geändert, führt aber zu falschen Schlussfolgerungen, auf denen nun ein ganzes Wirtschaftssystem aufgebaut ist.

Zweitens bringt der SV-Ansatz weitere erhebliche Gefahren mit sich: Da sich die Unternehmen ganz der Gewinnoptimierung verschreiben, wird der SV kurzfristig erhöht, in dem einfach Mitarbeiter entlassen werden (Personalkosten fließen direkt in die Bilanz ein). Dadurch geht dem Unternehmen aber langfristig wichtiges Know-How verloren, was sich aber in der Regel erst nach einigen Jahren negativ niederschlägt. Bis dahin haben die Manager ihre an den SV gekoppelten Gehälter und Boni längst kassiert und das Unternehmen bereits wieder verlassen.

Ein weiterer kritischer Punkt des SV liegt in der Entscheidungsfreiheit des Managers. Durch die Ausrichtung des Unternehmenserfolges an den SV verliert der Unternehmer bei Entscheidungen wichtige Freiheitsgrade: da die Entscheidung immer für die Effizienz des SV getroffen wird, scheiden andere Alternativen (vor allem langfristige oder „nachhaltige“ Alternativen) von vorneherein aus. Eine solche „monokulturistische“ Entscheidungsform birgt wichtige Gefahren, im Vergleich zu einer Entscheidungsform auf Grundlage einer „gesunden“ Diversität:

Prof. Bernard Lietaer (http://www.lietaer.com/) untersuchte 200 Ökosysteme und skizzierte die Ergebnisse in einem Schaubild. Dabei machte er eine interessante Beobachtung bzgl. Effizienz und Diversität: diejenigen Ökosysteme, die Monokulturen gleich sehr effizient waren, hatten eine ähnlich geringe Überlebenschance, wie jene, die eine zu große Diversität aufwiesen. Ein „window of survival“ tat sich in einem ausgewogenen Bereich zwischen Effizienz und Diversität auf:

Windows of Survival nach Prof. Lietaer

Windows of Survival nach Prof. Lietaer

Wie im Schaubild zu erkennen, skizziert Prof. Lietaer unser Geldsystem und den Ansatz des SVs außerhalb des Window of survivals…

Windows of Survival nach Prof. Lietaer  + Shareholder Value Ansatz nach Milton Friedman

Windows of Survival nach Prof. Lietaer + Shareholder Value Ansatz nach Milton Friedman

Mein persönlicher Ansatz liegt darin, die Bilanz um weitere Messgrößen zu erweitern, die neben den rein monetären Kennzahlen weitere aufnimmt: Nachhaltigkeitsansätze auf Basis der TBL, Wissen, Innovationsfähigkeit sowie die Integration der Mitarbeiter im Rahmen des unternehmerischen Resonanzliberalismus. Der SV, der ja an sich nichts Schlechtes, verwerfliches darstellt, würde aufgrund der Summe der einzelnen Posten berechnet werden und wiederum durch Normalisierung als Rating-Grundlage verwendet werden, siehe Tabelle.

Berechnung des Shareholder Value nach Ansatz des Mittagsmanifestes von Ulrich Frey

Berechnung des Shareholder Value nach Ansatz des Mittagsmanifestes von Ulrich Frey

Einfache Aufsummierung des SV nach den vorher normalisierten Unternehmenskennzahlen. Natürlich können die einzelnen „SV-Posten“ auch gewichtet werden, die Berechnung des SV kann auch gemittelt werden, siehe Tabelle 2.

Berechnung des Shareholder Value nach Ansatz des Mittagsmanifestes von Ulrich Frey, gewichtet

Berechnung des Shareholder Value nach Ansatz des Mittagsmanifestes von Ulrich Frey, gewichtet

Die TBL-Relevanz soll hier kurz vorgestellt und an anderer Stelle vertieft werden: Die nachhaltige ökonomische Entwicklung eines Unternehmens wird natürlich als Muss gefordert. Dabei ist aber nicht der kurzfristige monetäre Unternehmenserfolg eines Quartals gemeint, sondern die langfristige operative Betriebsfähigkeit. Die ökologische Nachhaltigkeit lässt sich an den Ökobilanzen ablesen. Ich bin mir sicher, dass in ein paar Jahren es völlig normal sein wird, dass jedes Produkt eine Ökobilanz aufweist (daher schon jetzt der Ratschlag an die Unternehmen, dies in die Geschäftspolitik mit aufzunehmen und eine Vorreiterrolle zu spielen!). Der letzte Punkt „soziale Relevanz“ lässt sich am besten mit dem Schlagwort Corporate Citizenship definieren und wird ebenfalls an anderer Stelle genauer betrachtet. Der Dreiklang dieser TBL wird als eine (gewichtete) Unternehmenskennzahl in die Bilanz einfließen.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte im September 2009 übrigens gefordert, Glück und Wohlbefinden als Faktoren für den wirtschaftlichen Fortschritt zu messen.1 Zitat:“ Nach Plänen des französischen Präsidenten sollen künftig auch Glück und Umweltschutz den Wohlstand eines Staates ausdrücken“

Ein letzter Gedanke zum SV: da wir mit allem Geld verdienen wollen, fallen die einfachsten Lösungen unter den Tisch: Plattfüße werden mit Einlagen behandelt, Schlaganfall oder Osteoporose mit Pillen. Wäre es nicht einfache, unsere Lebensweise und Kultur wieder an unseren Körper anzupassen? Der Evolutionsbiologe Daniel Liebermann nennt dies „Missevolution“.2

Die größte Gefahr des Shareholder-Value-Ansatzes liegt meines Erachtens nach darin, dass der Manager „richtig“ handelt, wenn er ausschließlich im Sinne der Gewinnoptimierung handelt. Dies gibt ihm die Legitimation, zum Bsp. gesellschaftlich relevante Themen nicht umzusetzen. Und vor allem entzieht er sich dem Vorwurf, zu hohe Rendite zu fordern. Während der Finanzkrise wurde den Bankern vorgeworfen, sie seien zu gierig und eine der zukünftigen Lösungsansätze ist eine Regulierung dieser „Gier“. Das Problem dabei ist nur, dass der Banker seine Gier nicht als solche erkennen kann. Denn er handelt ja nach der Vorgabe des Unternehmens: den SV zu erhöhen. Also handelt er innerhalb seines unternehmerischen Kontextes völlig einwandfrei. Auch wird er weiterhin alles daran setzen, den SV zu erhöhen, solange der SV im Mittelpunkt des Handelns liegt. Also wird der Banker die Löcher in den Regulierungen suchen, um „legal“ den SV weiter zu erhöhen. Und nochenmal: er handelt hier in seinem persönlichen Kontext völlig legitim! Dies ist ein Katz und Maus Spiel, was immer komplizierter wird.

Deshalb meine klare Forderung: Dieses „Spiel“ kann nur beendet werden, wenn der SV (bezogen auf zum Bsp auf die EBIT-Kennzahl) keine ausschließliche Rolle mehr spielt. Und dies impliziert einen Wandel weg von den materiellen Werten hin zu anderen Werten, zum Bsp. Corporate Citizenship, Resonanzliberalismus, Wissen, Innovationsfähigkeit. Dies würde sich auch in der Wertschätzung dem Kunden gegenüber positiv niederschlagen: Das Unternehmen hätte kein Interesse mehr daran, minderwertige Produkte herzustellen. Zu Ende gedacht, würde es auf die Dauer das Verbraucherschutzministerium überflüssig machen… es wäre ein Schritt hin zu einer menschgerechten Welt in Balance!

1siehe http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,648948,00.html 2siehe: http://www.meingesundheitszentrum.de/tag/ernaehrung/

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Über zukunftsfaehigkeit

Mein Name ist Ulrich Frey und ich bin der (geistige) Urheber dieses Blogs. Es ist mir ein Anliegen, meine Ansprüche an mich und meine Mitwelt zu manifestieren, weil es meine feste Überzeugung ist, dass wir unsere Zukunft selbst gestalten können. Nun ein Gedankensprung: Zu Ende gedachte, echte Wertschätzung heißt: alles was ist, ist heilig. Und so sehe ich den Zustand, in dem wir leben, ebenfalls als heilig an. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass auch heilige Zustände geändert werden dürfen, ja müssen, wenn sie uns dadurch „dienlicher“ erscheinen. Und so setze ich mich ein fur eine menschgerechte Welt in Balance. Eine Welt, von allen gestaltet und für alle gestaltet. Eine Welt in einer Mitwelt, die alles umschließt: Materielles, Immatrerielles, Natur, Mitwelt, Haben, Sein, Werte, Herz, Liebe, die Schöpfung, Energie… kurzum: alles. Ulrich Frey
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